Der Bahnbetrieb bis 1945

Nach fünfjähriger Bauzeit war die Bahnstrecke Leinefelde - Eschwege fertig gestellt. Ihre Abnahme fand am 18. April 1880 statt, an der Vertreter der königlichen Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M., die königlichen Landräte der Kreise Worbis, Mühlhausen und Heiligenstadt, die königlichen Bauinspektoren aus Mühlhausen und Heiligenstadt, die Abteilungsbauleiter und die Amtsvorsteher und Bürgermeister der betreffenden Gemeinden teilnahmen.

Die Bewohner indes mussten sich erst mit der Bahn vertraut machen. Seit 1890 verkehrten die ersten Reisezüge auf dieser Strecke, so dass den Menschen von nun an die Möglichkeit geboten wurde, das schnelle Transportmittel zu nutzen. Die Fahrzeit betrug ca. vier bis fünf Stunden, um von Leinefelde nach Eschwege zu gelangen. Zunächst hielt der Zug bei den Ortschaften Dingelstädt, Küllstedt, Geismar und Schwebda als Unterwegshaltepunkte. Der Personenverkehr entwickelte sich nur langsam. Ältere Personen trauten diesem neuen „Ding“ überhaupt noch nicht. Noch 15 Jahre nach Inbetriebnahme der Bahn gab es auf den Dörfern genug Leute, die lieber stunden- und tagelang zu Fuß liefen, als mit dem „gefährlichen Zug“ zu fahren. Der Weg zum Bahnhof war auch nicht immer einfach. Wenn ein Lengenfelder reisen wollte, musste er zum Bahnhof Geismar laufen, um dort auf den Zug zu warten. Kam dann endlich ein Zug, wartete man, bis die Güter ent- und beladen waren. Dann läutete eine Glocke zum Einsteigen. Nachdem man schon mehrere Stunden vom Heimatort fort war, durfte man nun auf dem Viadukt noch einmal winken. Am 1. Mai 1888 erhielt Lengenfeld/Stein einen Bahnhof und Großbartloff am 1. Dezember 1894 die erste Haltestelle.

Die Bahnlinie war zunächst nur eingleisig gebaut worden. Man schloss jedoch damals eine Zweigleisigkeit nicht aus und legte deshalb die Strecke in ihrer Breite etwas größer, als notwendig war. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stellte das Militär höhere Anforderungen an die Linie. In dieser Zeit rechnete man mit der Möglichkeit der Entstehung eines neuen Krieges, und man begann, 1906/07 die Strecke an einigen Stellen zweigleisig auszubauen (der Abschnitt Küllstedt-Geismar) der 1912 beendet war. Es war absehbar, dass hier schwere Züge in Richtung Leinefelde eine Zusatzlok (Vorspann oder Schub) benötigen würden, um den 16,7 km langen Aufstieg von Geismar nach Küllstedt zu bewältigen. Damit die zurückkehrende Lok nicht den Verkehr behinderte, wurde das zweite Gleis als unverzichtbar angesehen. Der Bahnhof Küllstedt erhielt sogar eine Drehscheibe. Trotz dieser Bemühungen wurde diese Strecke für den Fernverkehr kaum genutzt. Man stellte schon damals fest, dass der Kriegsverkehr dieser Strecke von anderen Linien hätte mühelos mitbewältigt werden können. Trotzdem wurden seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieg 1914, während des Hauptaufmarsches gegen Frankreich, Bahnwachen auf der Strecke postiert, vor allem an den Tunneln und Brücken.

Nach dem Krieg wurde laut dem Versailler Friedensvertrag das zweite Gleis wieder entfernt. Mit der Demontage entfernte man auch wieder die Drehscheibe in Küllstedt. An zahlreichen Bahnübergängen wurden die Schranken entfernt und durchgehende Reisezüge abgeschafft.

Während des Zweiten Weltkrieges diente der Bahnbetrieb vorrangig der faschistischen Kriegsmaschinerie. Die Tunnel nutzte man als Versteck für notwendiges Kriegsmaterial. Der Krieg brachte trotzdem einige Turbulenzen in die Bahngeschichte. Das Reisen wurde zu einer Gefahr. Tiefflieger schossen auf fahrende Züge. Die Überfälle forderten, soweit nachweisbar, auf dieser Strecke zum Glück keine Menschenleben. Die Züge mit den Reisenden suchten bei drohender Gefahr jeweils einen nahegelegenen schützenden Tunnel auf. Die letzten Kriegstage hatten für die Strecke weitere verheerende Auswirkungen. Dies war ein weiteres Schicksal der Bahn. Am 2. April 1945 wurde von  zurückweichende deutschen Verbänden der Frieda-Viadukt am Dachsbergtunnel gesprengt.

Auch am 6. April 1945 kam es zu einer solchen sinnlosen Sprengung zwischen Küllstedt und Büttstedt. Die bereits geplante Zerstörung des Lengenfelder Viaduktes konnte verhindert werden durch die Initiative ehrenvoller Bürger des Ortes.