Die Kanonenbahn Strecke Leinefelde - Geismar (Schwebda)

„Wer zwischen den Stationen Geismar (bis Großbartloff links sitzen!) und Küllstedt gelegene Strecke der genannten Bahn durchfährt, lernt nicht bloß ein herrliches Stück der schönen Gotteswelt kennen, sondern auch ein Werk deutscher Bautechnik, so großartig und so kühn, wie nur selten eine Gegend es aufzuweisen hat.“

aus „Das Buch vom Eichsfelde“
von H. Leineweber 1900

Dieses trifft mit Sicherheit heute noch zu, nur mit dem Unterschied, dass als Heinrich Leineweber die Strecke beschrieben hatte, sie gerade erst mal 20 Jahre jung war. Man sah die gewaltigen Dämme, die vielen gewölbten Wegeüberbauten, die frisch angelegten Tunnel, und das riesige Eisenbahnviadukt über das Dorf Lengenfeld unterm Stein. Zu der Zeit war die Bahntrasse kaum bewachsen und man konnte eher begreifen welche gigantischen Erdmassen mit simpler Technik und in relativ kurzem Zeitraum bewegt wurden. Der Küllstedter Tunnel, mit einer Länge von 1530 m war damals der drittlängste Tunnel des Deutschen Reiches; erst 1884 überholte ihn der Brandleite-Tunnel. Übrigens alle Tunnelbauwerke der Strecke Dingelstädt – Eschwege zusammen, waren länger Dieser. Zum Einsatz kam, wenn auch nur kurz, eine der ersten Tunnelbohrmaschinen in Deutschland.  Dämme wurden bis zu 30 m hoch aufgeschüttet, Schneisen wurden in die Mittelgebirgslandschaft geschlagen damit die Bahn Ihren Weg von Berlin nach Metz fortsetzen konnte.

Die „Kanonenbahn“ wurde zwischen 1876 und 1880 erbaut. In ihrem Eichsfelder Abschnitt quert sie dabei den Höhenrücken des Westerwaldes, und folgt in ihrer Linienführung weitestgehend den Taleinschnitten in das Hochplateau. Dabei mussten aufgrund des Geländeprofils mehrere Kunstbauten errichtet werden, so dass auf einem kurzen Teilstück zwischen Dingelstädt und Frieda (Hessen) eine für Deutschland einmalige Vielzahl und Vielfalt von Tälern überspannenden Viadukten und Tunnelbauten entstand.

Erhalten geblieben und zugänglich ist dabei jedoch nur noch der Abschnitt von Dingelstädt über Küllstedt, Lengenfeld unterm Stein bis nach Geismar.

Auf diesem Abschnitt befinden sich drei größere Viadukte und fünf Tunnel, herausragend dabei der Küllstedter Tunnel mit mehr als eineinhalb Kilometern Länge und das einmalige Denkmal der Eisenbahnbaukunst, das Lengenfelder Viadukt. Das Lengenfelder Viadukt mit seiner Höhe von 24 Metern und seiner Länge von 244 Metern überspannt dabei das Friedatal und prägt nicht nur das Bild des Ortes Lengenfeld unterm Stein, sondern ist in Deutschland auch die einzige zweigleisige Hängebogenbrücke, die dem Radius des Kurvenverlaufs der Strecke folgt.

Die letzte Fahrt

Landschaftlich ist die Kanonenbahn wohl die schönste und abwechslungsreichste Strecke Thüringens. Zahlreiche Tunnelbauten und Viadukte und die schöne Landschaft des Südeichsfeldes machten eine Fahrt mit der Eisenbahn zu einen unvergleichbaren Erlebnis. Die Strecke wurde leider aus wirtschaftlichen Gründen 1992 stillgelegt. Zum Abschied bespannte die DR - Traditionslok 503688 am 31.12.1992 zwei lange vollbesetzte Sonderzüge.